Weiterbildung Traumatherapie

Neuer Kurs ab November 2016

Beginn der Weiterbildung: 04. November 2016

Ein Trauma ist ein Geschehen, das von außen auf den Menschen einwirkt und bei dem bisherige Bewältigungsstrategien, hauptsächlich Flucht oder Kampf, versagen. Zumeist ist dies verbunden mit dem Gefühl von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein. Alle Gefühle werden dabei abgeschaltet, es stellt sich ein Zustand des Eingefrorenseins ein, oft verbunden mit dem Gefühl, neben sich zu stehen oder als würde es gar nicht passieren, als wäre es ein Film. Der Körper ist wie betäubt, empfindungslos.

Dies sind alles Reaktionen, die allein dem Überleben während und nach einem Trauma dienen, ebenso wie die sich oft später einstellenden Symptome. Einige Menschen berichteten später, „ich saß auf dem Schrank und schaute zu“ oder „es war wie im Kino“ oder auch „ich war überhaupt nicht die, der das passierte, es geschah jemand anderem“.

Die Auswirkungen sind umso katastrophaler je früher, bezogen auf das Lebensalter, die Traumatisierungen eingewirkt haben, je länger sie angedauert haben.

Wie immer „Trauma“ definiert wird, welche Folgen, Verarbeitungsdefizite, Störungskontexte etc. dem Trauma zugeschrieben wird: Jede mögliche Beobachtung ist zunächst nicht mehr als eine Beobachtung. Es gibt aus systemischer Sicht keine vom Beobachter unabhängige „Trauma-Wirklichkeit“. Diagnosen und therapeutische Konzepte sind nur vorübergehend von Belang.

Aus systemischer Sicht gibt es nicht das „wirkliche Trauma“ oder den „besten Therapieansatz“. Die Diagnose wird nicht abseits des/der Klient/en/in (Patient/en/in) von TherapeutInnen gestellt, sondern von beiden zusammen, wobei das Ergebnis vollkommen anders aussehen kann als das, was wir aus der klassischen Diagnostik kennen.

Diese Sicht der Dinge befreit uns einerseits vor Festlegungen, „Fehldiagnosen“ und erbitterten Schulenstreitereien (viele Fachleute warnen vor der Gefährlichkeit anderer Ansätze). Andererseits ist sie mit Vorsicht zu genießen. Keineswegs soll damit Beliebigkeit in die Traumaarbeit einfließen. Systemischen TraumatherapeutInnen sei empfohlen, klassisch diagnostische und traditionell therapeutische Ansätze sehr gut zu kennen. Die Auseinandersetzung mit Trauma begleitenden Diagnosen (besonders „Posttraumatische Belastungsstörung“, „Borderline“), Erlebniszuständen wie Dissoziationen (besonders „Depersonalisation“, „Amnesie“, „Derealisation“) und modernen Therapieansätzen (besonders „Imaginative Therapien“, „EMDR“, „Verhaltenstherapie“) sollte selbstverständlich sein.

Die Systemische Traumaarbeit sieht sich als Arbeiten in Partnerschaft. Beide Seiten verfügen über Wissen und Geheimwissen, das sie sich gegenseitig zur Verfügung stellen oder auch nicht. Die Therapeutin bzw. der Therapeut ist Reisebegleiter/in zu einem definierten Ziel. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das Reiseziel am Ende der Reise ganz woanders liegt oder dass sich herausstellt, dass das Ziel die Reise selbst ist.

Ziel der Weiterbildung

Die Teilnehmenden der Weiterbildung sollen lernen, Menschen professionell zu beraten. Die Professionalität kommt dabei nicht nur im fachlichen Know-how zum Ausdruck sondern auch und besonders in der Fähigkeit der Reflexion des eigenen Handelns und der eigenen Beratungskompetenz.

Die Teilnehmenden sollen (erfahren) lernen, dass nicht sie es sind, die Systeme instruktiv heilen bzw. verändern, sondern dass Heilung und Veränderung das Ergebnis der Interaktion zwischen Kunden, Klienten, Patienten einerseits und Beratern andererseits ist.

Die Teilnehmenden sollen bereit sein, den Umgang mit (qualitativ wie quantitativ) komplexen Aufträgen, mit Neutralität und All-Parteilichkeit, Wertschätzung und Würdigung, Macht, Kritik, Beziehungs- und Koalitionsangeboten zu trainieren.

Die Weiterbildungsteilnehmenden sollten bereit sein, sich im Anschluss an die Weiterbildung persönlich, fachlich und praktisch weiterzubilden und sich ggf. weiterhin einer kollegialen Supervisionsgruppe anschließen.

Volumen

Die einjährige Weiterbildung umfasst 170 Weiterbildungsstunden (6 Wochenend-Workshops). Davon 120 Std. Workshops und Seminare, und ca. 30 Std. Peergroup (Selbstverpflichtung), 20 Std. Literaturarbeit (Selbstverpflichtung). Es besteht die Möglichkeit der Teilnahme an begleiteten Supervisionsgruppen.

Termine Kurs 1
(belegt)

08.04.-10.04.2016
10.06.-12.06.2016 
16.09.-18.09.2016
18.11.-20.11.2016
16.12.-18.12.2016
03.02.-05.02.2017

Termine Kurs 2
(noch freie Plätze)

04.11.-06.11.2016
27.01.-29.01.2017
10.03.-12.03.2017
19.05.-21.05.2017
14.07.-16.07.2017
22.09.-24.09.2017

Inhalte

  • Einführung
  • Was ist ein Trauma?
  • Psychodiagnostik I
    • Trauma „systemisch“

Theoretische Grundlagen

  • Geschichte der Psychotraumatologie
  • Neurobiologie des Traumagedächtnisses
  • Störungsmodelle, diagnostische Modelle (ICD-11, DSM-5) und Behandlungsmodelle
  • Epidemiologie von Traumatisierungen, Traumafolgestörungen und häufigen komorbiden Störungsbildern
  • Überblick über den aktuellen Stand der Psychotherapieforschung im Bereich Trauma (Metaanalysen etc.)

 Diagnostik und Differenzialdiagnostik von Traumafolgestörungen

  • Durchführung von Erstgesprächen und Psychoedukation bei traumatisierten Patienten.
  • Grundlagen der Diagnostik mit Checklisten, Fragebogenscreening und diagnostischen Interviews
  • Überblick zur Differentialdiagnostik der Traumafolgestörungen
  • Detailliert behandelt werden sollen:
    • Diagnostik akuter Belastungsreaktionen
    • Diagnostik der posttraumatischen Belastungsstörung
    • (- Diagnostik der komplizierten Trauer)
    • (- Diagnostik komplexer Traumafolgestörungen einschließlich Dissozitiver Störungen)

Traumaspezifische Behandlungsverfahren

  • CPT (Cognitive Processing Therapy)
  • KBT (Kognitiv-behaviorale Therapie)
  • EMDR Eye Movement Desensitization Reprocessing)
  • TRUST
  • PITT (Psychodynamisch imaginative Traumatherapie)
  • CIPBS (Conflict Imagination Painting Belateral Stimulation)
  • IRRT (Imagery Rescripting Reprocessing Therapy)

Hypnosystemische Traumaarbeit

  • Verschiedene Formen der Teilearbeit

Traumamuster

Aufbau der Seminare

Inhaltlich orientieren sich die Workshops der Weiterbildung Beratung grob an dem oben skizzierten Raster. Das "Feintuning" der Workshopinhalte gestalten die Teilnehmenden und die WeiterbildungsleiterInnen gemeinsam.

Tagesplan

Freitag: 17:00 h - 20:00 h
Samstag: 09:00 h - 13:00 h, 15:00 h - 18:00 h
Sonntag: 09:00 h - 12:30 h, 13:30 h - 16:00 h

Voraussetzungen

Mindestalter: 30 Jahre, beraterische und/oder therapeutische Vorerfahrung erwünscht (begründete Ausnahmen sind möglich).

Obwohl die meisten Teilnehmenden über einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss verfügen, ist die Zugangsvoraussetzung nicht an diese Bedingung geknüpft. Auch Teilnehmende ohne akademischen Abschluss sind willkommen und machen von der Teilnahme Gebrauch. Die Teilnehmenden sollten sich jedoch in der Lage sehen, sich mit komplexen Sachverhalten auseinander zu setzen. Die Teilnehmenden der Weiterbildung sollten bereit sein, sich in einer Peergroup zu organisieren. Erwartet werden die „Nachbereitung“ der Inhalte, die in den Veranstaltungen zur Sprache kommen und die Auseinandersetzung mit dem Material, das in der Weiterbildung ausgegeben wird.

Hinweis: In diesem Programm keine Schnupperoption!

Dozenten  (siehe Dozentenliste)

Anne Müller (Modul 3)
Stefan Glasstetter (Module 2, 4, 5)
Dieter Salomon (Module 1, 6)

Zertifizierung

Nach Abschluss der Weiterbildung erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat. Das Zertifikat berechtigt zur Erlangung des Zertifikates der Gesellschaft für systemische Beratung e.V. (GSB e.V.)

Dachverband

Das Institut ist Mitglied in der Gesellschaft für systemische Beratung e.V. (GSB e.V.).

Die Kosten:

Jahreskurs

EUR

1620,--

oder   6x

EUR

280,--

oder 12 x

EUR

145,--

Die Weiterbildungen des Instituts sind als berufliche Bildungsmaßnahmen anerkannt (Regierungspräsidium Freiburg AZ 22-6002/2) und damit von Mwst. befreit.

 Buchen

 Curriculum (PDF)

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